Müdigkeit im Auto: Sekundenschlaf erkennen und verhindern

04.09.2018 11:39 Uhr | geronimo

Pro Jahr gibt es offiziell mehrere hundert Unfälle, die durch Übermüdung der Fahrer verursacht werden – bei einer entsprechend hohen Dunkelziffer. Dabei lässt sich der drohende Sekundenschlaf an diversen Warnsignalen erkennen. Wir erklären nachfolgend, welche das sind und was man in dieser Situation tun sollte

Aussagekräftige Statistiken zu müdigkeitsbedingten Unfällen gibt es im Prinzip nicht, denn diese Ursache wird nur dann erfasst, wenn sie von den Unfallfahrern benannt wird. Trotz dieser freiwilligen Meldung wurden im Jahr 2016 immerhin fast 1.900 solcher Crashs registriert, was immerhin über fünf Stück pro Tag bedeutet. Die Folgen können durchaus dramatisch sein, denn oftmals finden die Unfälle nachts und bei höherer bis hoher Geschwindigkeit statt. Damit es gar nicht erst soweit kommt, sollten die Warnsignale des eigenen Körpers beachtet werden, die es bereits deutlich vor dem kurzzeitigen Einschlafen gibt.

Warnsignale erkennen:

Dazu zählen unter anderem Probleme die Spur zu halten, ein verengter Blickwinkel, Erinnerungslücken an die letzten Kilometer, übersehene Straßenschilder und Ausfahrten, ständig wechselnde Geschwindigkeiten, brennende Augen und/oder schwere Augenlider, blinzeln und/oder unscharfes sehen, nicht kontrollierbares Gähnen, mangelnde Konzentration und abschweifende Gedanken, innere Unruhe, Bewegungsdrang, sowie Gereiztheit und Stimmungsschwankungen. Sobald eines oder mehrere dieser Signale auftreten, wird es Zeit zu handeln. Bei der Erkennung kann ein moderner Müdigkeitswarner helfen, der inzwischen in immer mehr Fahrzeugen vorhanden ist. Dieser erkennt über die Sensoren und/oder die Frontkamera beispielsweise das verlassen der Fahrspur oder ungewöhnliche Lenkmanöver, und fordert dann erst sanft, später aber durchaus bestimmt zu einer Pause auf.

Gegenmaßnahmen:

  • Fenster öffnen: In vielen Autos herrscht schlechte Luft. Damit ist nicht die Stimmungslage zwischen den Insassen gemeint, sondern Überhitzung und/oder Sauerstoffmangel. In diesem Fall kann die Frischluftzufuhr Linderung verschaffen, wenn auch nur für (sehr) kurze Zeit. Zudem sollten „Kuschelfaktoren“ beseitigt werden, weshalb beispielsweise die Sitzheizung abgeschaltet werden sollte.
  • Trinken: Übermüdung kann nicht nur durch vorherigen Schlafmangel ausgelöst werden, sondern auch durch Flüssigkeitsmangel (Dehydrierung). In diesem Fall kann also ein ordentlicher Schluck Wasser hilfreich sein. Noch besser ist ein starker Kaffee oder ein Energydrink, dessen Koffein allerdings erst nach rund 30 Minuten Wirkung zeigt. Daher sollte die Aufnahme von Getränken am besten mit dem nächsten Tipp kombiniert werden.
  • Pause machen: Zwei Dinge können bei einer Fahrtunterbrechung helfen. Zum einen ist das ein wenig Bewegung, und zum anderen ein kurzes Nickerchen. Bereits eine Ruhezeit von 20 bis 30 Minuten mit geschlossenen Augen kann ausreichen, um den eigenen „Akku“ wieder für eine gewisse Zeit aufzuladen. Das klappt am besten, indem die Sitze in eine mehr oder weniger waagerechte Position gebracht werden. Zudem sollten die Fenster einen kleinen Spalt geöffnet werden, sofern möglich. Tagsüber ist dabei ein Parkplatz im Schatten extrem wichtig, da ansonsten die Temperaturen im Wageninneren extrem schnell ansteigen können.

Nicht geeignete Gegenmittel:

Mancher Fahrer glaubt, dass man mit „Hausmitteln“ die eigene Müdigkeit bekämpfen kann. Das funktioniert aber – wie die geöffneten Fenster – höchstens kurzzeitig. Das gilt unter anderem für laute Musik. Aber auch die erwähnten koffeinhaltigen Getränke helfen nur bedingt, denn deren Wirkung hält nicht lange an, sofern sie nicht mit einer Portion Schlaf kombiniert werden. All diese ungeeigneten Maßnahmen haben am Ende eines gemeinsam: sie bekämpfen lediglich die Symptome, nicht aber die Ursache.

Fazit: Um Sekundenschlaf im Auto zu verhindern, sollte man auf seinen Körper hören. Dieser ist nämlich – neben der modernen Elektronik – das beste Kontrollmittel. Sofern die drohende Gefahr erkannt ist, sollte umgehend und richtig reagiert werden. Der dabei entstehende Zeitverlust sollte dabei billigend in Kauf genommen werden, um die eigene Gesundheit und die anderer nachhaltig zu schützen.

(Bildquelle: ADAC)

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