Motorrad mit Keyless: Diebstahl durch schlüssellose Systeme möglich

14.08.2017 10:02 Uhr | geronimo

Dank elektronischer Bauteile wie der Wegfahrsperre sind Autodiebstähle jahrelang rückläufig gewesen. Doch dann kamen die Hersteller auf die Idee, dass man ein Auto doch auch ohne Hantieren mit dem Schlüssel öffnen und starten können sollte. Der Haken: das entsprechende System erleichtert Dieben das Entwenden des Fahrzeugs – wovon inzwischen auch Motorräder betroffen sind

Schlüssellose Schließsysteme gibt es bereits seit längerem in der automobilen Oberklasse, und inzwischen sind sie teilweise auch in kleineren Fahrzeugklassen zu bekommen. Zwar vermarkten die Hersteller diese unter unterschiedlichen Namen wie Keyless Go oder Komfortschlüssel, doch das Prinzip ist überall das gleiche. Und auch die Nachteile sind identisch, denn so ausgestattete Fahrzeuge können mit relativ geringem Aufwand geklaut werden. Unsere bereits mehrfach aktualisierte Übersicht zeigt, dass davon Autos fast aller Hersteller betroffen sind.

Und inzwischen gibt es auch erste Motorräder mit einem solchen System. Angeboten werden entsprechende ausgerüstete Bikes unter anderem von BMW (Keyless Ride), Ducati (Hands-free-Zündung), Harley-Davidson (Key Fob) und KTM (Race on System). Und wie der ADAC ermittelt hat, sind die möglichen Gefahren die gleichen wie beim Pkw: der Diebstahl ist mit einem Reichweitenverlängerer, einem sogenannten Repeater, ebenso einfach wie beim Auto. Die weitergeleiteten Funksignale des Schlüssels ermöglichen es, das Lenkradschloss außer Betrieb zu nehmen und das Fahrzeug zu starten – und das über eine Distanz von mehreren hundert Metern, wie der Automobilclub betont. Sofern das Motorrad erst einmal gestartet wurde, kann es so lange gefahren werden, wie der Motor läuft. Und das komplett ohne weitere Funksignale des Schlüssels.

Möglichkeiten zum Schutz gegen diese Form des Diebstahls gibt es nur wenige. Die wohl beste Abwehrmaßnahme ist auf die Bestellung der schlüssellosen Schließsysteme zu verzichten. Was allerdings – analog zum Auto – nicht immer ganz einfach ist, denn diese sind oftmals in Paketen untergebracht, auf die man wegen anderer Bestandteile vielleicht nur ungern verzichtet. Sofern das System vorhanden ist, muss auf andere Abwehrmaßnahmen zurückgegriffen werden, die wir in einem gesonderten Ratgeber vorgestellt haben. Und eine zusätzliche Sicherung wie ein Bremsscheibenschloss ist oberste Pflicht.

Von den Herstellern ist auf dem Gebiet nur wenig Hilfe zu erwarten. Dabei wäre das ganz einfach, denn es müsste lediglich eine Möglichkeit geben, die Funkübertragung des Schlüssels temporär oder sogar dauerhaft abzuschalten. Eine solche Funktion ist derzeit aber nur bei Toyota zu finden. Alternativ sollte Keyless über die Steuerung des Fahrzeugs abgeschaltet werden können, doch das wird in der regel nicht angeboten. Und das vielleicht sogar mit Kalkül, denn in der Regel ist jedes geklaute Bike auch ein neu verkauftes Bike – und das Geschäft will man sich offenbar nicht entgehen lassen, weshalb die Fahrzeugbesitzer selber handeln müssen.

Meinung des Autors

Beim Motorrad ist ein schlüsselloses System sinnvoller als beim Pkw, denn Lederkombi und Handschuhe erleichtern den Umgang mit dem Schlüssel nicht wirklich. Doch die Nachteile liegen auf der Hand und sollten jedem Motorradfahrer bewusst sein - andernfalls ist das Bike schneller weg als man gucken kann.

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