Mercedes Citan erreicht im Crashtest nur 3 Sterne

24.04.2013 12:30 Uhr | geronimo

Der seit Oktober 2012 angebotene Mercedes Citan basiert auf der zweiten Generation des Renault Kangoo. Diese Verwandtschaft wurde der Mischung aus Lieferwagen und familientauglichem Van nun offenbar zum Verhängnis, denn im Crashtest der Testorganisation Euro NCAP erzielte der Citan ein nicht gerade überzeugendes Ergebnis

Gerade einmal 3 von 5 maximal möglichen Sternen konnte der Citan im aktuellen Crashtest Euro NCAP erzielen. Besondere Schwächen zeigte der sich lediglich in Details vom Kangoo unterscheidende Citan beim Frontalcrash und Pfahlaufprall sowie bei der Ausstattung für die aktive Sicherheit. Als schwerwiegend erwies sich insbesondere das fast völlige Versagen des Kopfairbags, der sich sowohl beim Seiten- als auch beim Pfahlaufprall an der B-Säule verfing. Aber auch die harten Strukturen der Armaturentafel, eines der wenigen Bauteile mit denen sich der Citan vom Kangoo unterscheidet, sorgten für ein hohes Verletzungsrisiko.

Auch in der Disziplinen Fußgängerschutz konnte der Citan nicht wirklich überzeugen. Hier sorgen die Vorderkante und viele Randbereiche der Motorhaube für ein erhöhtes Verletzungsrisiko. Lediglich im Bereich der Kindersicherheit konnte der Citan ein ordentliches Ergebnis erzielen, das Verletzungsrisiko ist hier sehr gering. Allerdings lässt sich der Beifahrerairbag für den Einsatz rückwärtsgerichteter Kindersitze nicht abschalten, zudem sind die Hinweise zur Kindersicherung in der Betriebsanleitung teilweise unzureichend. Mercedes bietet auf seiner Homepage allerdings mittlerweile eine aktualisierte Version des Handbuchs an. Die detaillierten Testergebnisse können auf der Homepage von Euro NCAP nachgelesen werden.

In einem kommentierten Video des ADAC kann der Crashtest verfolgt werden. Dabei kommt der Automobilclub zu dem Fazit, dass die Testergebnisse dadurch relativiert werden, dass es sich beim Citan in erster Linie um einen Lieferwagen handeln würde, der nicht für den Familienbetrieb ausgelegt sei. Dieses Fazit darf man aber durchaus kritisch betrachten, denn im Rahmen eines Crashtests sollte der Verwendungszweck des Fahrzeugs für die Beurteilung keine Rolle spielen, schließlich sollten auch die Fahrer von gewerblichen Fahrzeugen bei einem Unfall so gut wie möglich geschützt werden.

Für Mercedes dürfte das Ergebnis des Tests durchaus ernüchternd sein. Offenbar ist es nicht ausreichend, bei einem nicht selbst entwickelten Fahrzeug einen Stern an die Haube zu schrauben und dieses dann mit einem Premium-Aufschlag zu verkaufen. Immerhin hat sich Mercedes als Erfinder oder Mitentwickler von Systemen wie Knautschzone, Sicherheits-Fahrgastzelle, Seitenaufprallschutz, Gurtstraffer, Airbag, Anti-Blockier-System ABS sowie dem Elektronischem Stabilitäts-Programm ESP einen guten Ruf auf dem Gebiet der Sicherheit erarbeitet, der durch solche Kooperationen und den damit verbundenen negativen Ergebnissen aufs Spiel gesetzt wird.


Mit Material von: ADAC; Euro NCAP
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