Langstrecken-Test des Tesla Model S durch Autoextrem - 2. Tag - UPDATE III

23.01.2016 11:10 Uhr | geronimo

Letztes Update: 23.01.2016, 18:12 Uhr:
10:01 Uhr: Heute geht die „Deutschland-Tour“ im Tesla Model S, geplant ist eine Fahrt von Unterfranken an die Ostsee. Hoffentlich klappt alle problemlos, denn über Nacht gab es schlechte Nachrichten in weiß

Nachdem bereits auf der gestrigen ersten Teilstrecke zum Abend hin die Temperaturen kräftig angezogen haben und auch zahlreiche Streufahrzeuge unterwegs waren, ist über Nacht auch noch einiges an Schnee gefallen. Inzwischen sollten die Autobahnen aber hoffentlich wieder befahrbar sein, weswegen es gleich losgeht zum ersten Supercharger (SuC) in Zella-Mehlis. Nach den rund 100 km Fahrstrecke sollte dann der Zeitplan für den restlichen Tag aufgestellt werden können. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie sich der Allrad-Tesla bei diesen Bedingungen schlägt – und wie gut sich seine Kraft im Zaum halten lässt.

Update, 23.01.2016; 12.10 UHR: Nachdem das Auto weitgehend von Schnee und Eis befreit worden ist, ging es über nicht immer ganz geräumte Landstraßen auf die Autobahn. Auch dort waren die Bedingungen bisher nicht perfekt, doch größtenteils waren 130 km/h problemlos machbar. Dabei zeigte sich, dass der Autopilot sogar bei nicht optimalen Voraussetzungen – in diesem Fall Schneematsch, der teilweise die Markierungen überdeckte – bereits auf recht hohem Niveau arbeitet. Manuelles Eingreifen war so gut wie nicht erforderlich, der Wagen fuhr Stur innerhalb seiner Spur. Das war gestern, bei weit angenehmeren Bedingungen, natürlich noch besser. Die Technik ist soweit ausgereift, dass ich teilweise weit über 20 km am Stück fahren konnte, ohne selber lenken zu müssen. Das klappte sogar in Baustellen, wo es zum einen recht eng zugeht, zum anderen teilweise reguläre Markierungen die temporären Linien kreuzen. Bei den relativ abrupten Fahrspurverschiebungen am Ende der Baustelle zeigte sich der Autopilot aber nicht ganz vorausschauend, weswegen es dort auf jeden Fall empfehlenswert ist, selber Hand anzulegen.

Bei dieser problemlosen Nutzung ist es durchaus verwunderlich, dass der Spurwechselassistent nicht so gut funktioniert, wie ich mir das vorgestellt habe. Immerhin wird Mercedes dieses System jetzt in der neuen E-Klasse anbieten. Teilweise sind mehrere Anläufe beim Blinken notwendig und gelegentlich muss auch sanft mit der Hand nachgeholfen werden. Vor allem in Kombination mit dem Autopilot kommt es oft zu Fehlversuchen. Wenn es aber funktioniert, ist es eine wirklich angenehme Hilfe, die auf langen Strecken für Entspannung sorgt.

Entspannung ist ohnehin ein gutes Stichwort beim Model S, aber dazu im nächsten Update mehr.

Update, 23.01.2016, 15:00 Uhr: In Zella-Mehlis zeigte der Bordcomputer eine theoretische Restreichweite von 176 km bei einer Fahrtstrecke von 170 km – und das, obwohl ich länger als vorgeschlagen geladen hatte. Egal, erst mal los fahren, dann sehen wie es weitergeht. Kurz nach dem Start kam ein ein ewig langer Tunnel, bei dem sich das Verhältnis trotz Tempolimit 80 km/h weiter verschlechterte, denn es ging ordentlich bergauf. Doch nicht allzu weit, und dann folgte eine ewig lange Abfahrt, weiterhin mit vorgeschriebenem Tempo 80. Danach hatte sich ein Vorsprung von über 60 km herausgebildet, der sich dank weiterem Gefälle trotz Geschwindigkeiten von 120 bis 140 km/h auf über 100 km steigerte. So bin ich entspannt am SuC in Bad Dürrenberg angekommen, was dadurch erleichtert wurde, dass nach dem erwähnten Tunnel komplett anderes Wetter herrschte. Aus -2° waren +5° geworden, und statt Nebel lachte die Sonne von einem blauen Himmel – seltsames Phänomen, aber fürs Vorankommen durchaus erfreulich.

Auf den letzten 4 km vor dem Laden habe ich den Überschuss an Kapazität noch einmal dafür genutzt, das Model S auf trockener, gut ausgebauter und topfebener sowie komplett leerer Autobahn auf 225 km/h zu bringen. Geht, aber man merkt doch, dass dem Auto dabei die Ruhe und Gelassenheit fehlt, die die Fahrzeuge der britischen, deutschen und italienischen Verbrenner-Konkurrenz an den Tag legen. Das Model S wirkt bei diesen Geschwindigkeit deutlich unruhiger, allerdings ohne dass jemals Unsicherheit auftritt oder Probleme entstehen. Doch auf langen Strecken wird man ohnehin nicht dauerhaft in dem Tempo unterwegs sein, obwohl mir nicht zum ersten Mal aufgefallen ist, wie angenehm frei die Straßen im Osten oftmals sind. Von solchen Bedingungen kann man rund um meine Heimatstadt und im ganzen Süden und Westen von NRW eigentlich nur träumen.

Und das kommt ganz klar der Entspannung entgegen, die das Fahren mit dem Tesla vermittelt. Auf die man sich angesichts der freien Straßen und der technischen Möglichkeiten aber erst einmal einlassen muss. Auch die dauernd wechselnden Angaben bei der Restreichweite müssen dabei erst einmal hingenommen werden, was für einen „Frischling“ gar nicht so einfach ist. Und was zu teilweise unausgewogener Fahrweise führt, weil man zwischendurch immer wieder meint, Kilometer sparen zu müssen. Oft genug, wie oben beschrieben und gestern beschrieben, relativieren sich die Angaben, weswegen man dann doch wieder etwas mutiger aus dem Vollen schöpft. Doch solange man bereit ist, diese Dinge entspannt hinzunehmen – was bei mir der Fall ist – bekommt man mit dem Model S ein extrem angenehmes Langstreckenfahrzeug, dass zwischendurch mit seiner unmittelbaren Beschleunigung auch noch viel Spaß vermittelt. Davon hole ich mir jetzt etwas ab, denn die Ladezeit dürfte für den nächsten Abschnitt von 200 km ausreichend sein. Nächster Stopp: Herzsprung südlich von Rostock nach 17:00 Uhr.

Update, 23.01.2016, 18:12 Uhr: Bevor ich mich auf den Weg gemacht habe, wurde ich freundlicherweise im Tesla-Forum auf folgendes hingewiesen: Die SuC sind gekennzeichnet, und zwar jeweils mit 1A, 1B, 2A, 2B usw. Dabei bilden die Ladestationen mit den gleichen Ziffern jeweils ein Paar, die sich die maximale Spannung von 118 kW teilen. Daher sollte vermieden werden, dass zwei Autos an einer solchen Paarung geladen werden. Das hat sich aber offenbar längst nicht zu allen Tesla-Fahrern herumgesprochen, denn als ich nach meiner Pause mit vermeintlich ausreichender Ladezeit musste ich feststellen, dass genau das passiert ist. Neben meinem Model S stand ein weiteres weißes Fahrzeug, das mit die Energie „geklaut“ hat. Dementsprechend zeigte das Display auch an, dass noch weitere 10 Minuten Ladezeit notwendig sein. Ich habe dann erstens den anderen Fahrer freundlich aufgeklärt, und zum anderen mein Auto an einen anderen freien Platz umgesetzt. Dort habe ich dann noch ein paar Minuten etwas schneller nachladen können und dann ging es mit eigentlich mehr als ausreichend Kapazität weiter. Kleine Anekdote am Rande: die SuC waren mit einer wenig zielführenden Beschränkung versehen, denn die Parkzeit beträgt maximal 30 Minuten.

Auf der folgenden Strecke gab es Gelegenheit, den Autopilot mit der maximalen Geschwindigkeit von 150 km/h zu testen. Auch bei der Geschwindigkeit funktioniert er. Doch nicht nur dann, sondern auch bei immer schlechter werdendem Wetter rund um Berlin mit Nieselregen und Regen. Dazu ein Hinweis: der Lichtsensor des Model S hat bei solchen Bedingungen das Problem, dass er – wie bei vielen anderen Fahrzeugen auch – das Abblendlicht nicht automatisch einschaltet. Es waren wieder zahlreiche moderne Fahrzeuge unterwegs, bei denen sich die Fahrer offenbar auf den Lichtsensor verlassen, und deshalb nur mit Tagfahrlicht und teilweise ohne Rückleuchten unterwegs sind. Bitte in solchen Situationen daran denken, das Abblendlicht manuell einzuschalten. Wobei man leider feststellen muss, dass Tesla bei den Scheinwerfern nicht mit der Konkurrenz mithalten kann. Zumindest nicht mit deren oftmals aufpreispflichtigen Top-Lichtsystemen mit LED-Technik und/oder adaptivem Fernlichtassistenten. Beim Model S gibt es nur herkömmliche Xenon-Projektorscheinwerfer (LED würde einem so modernen Fahrzeug gut zu Gesicht stehen und auch noch ein wenig Energie sparen) und einen etwas einfacheren und teilweise nicht optimal arbeitenden Fernlichtassistenten.

So, jetzt geht es gleich weiter, die Ladung sollte mehr als ausreichend sein, um von Herzsprung bis zum nächsten Ziel an der Ostsee zu kommen. Dort sollte das Auto über nacht sogar an eine Ladestation schlafen können, um dann morgen „randvoll“ aufgeladen zu sein. Bis dahin allen eine gute Fahrt.

Update: hier geht es zum 3. Tag.

Meinung des Autors

Es ist auf einmal doch Winter. Mal sehen, wie sich das auf den 2. Teil des Langstreckentest des Tesla Model S auswirkt.

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