Kann sich ein Tesla auch für den Normalverbraucher lohnen?

19.10.2018 13:50 Uhr | Redaktion

Der Hersteller Tesla gilt nicht nur als Vorreiter in Sachen E-Mobilität – er ist es auch. Die Reichweiten seiner Elektroauto-Modelle 3 oder S übersteigen jene der Konkurrenz teilweise deutlich. Dieser enorme Pluspunkt ist den leistungsstarken Lithium-Ionen-Batterien zu verdanken, die allerdings ein erheblicher Kostenfaktor sind und den Anschaffungspreis eines E-Autos von Tesla in die Höhe treiben: eine für viele Verbraucher, selbst solche mit ausgeprägtem Sinn für den Schutz des Klimas, unerreichbare Höhe. Doch die Anschaffungskosten sind lediglich ein Kriterium bei der Entscheidung pro oder contra Tesla. Kann sich ein Tesla auch für den Normalverbraucher lohnen?

Elektroauto-Modelle von Tesla sind keine Schnäppchen

Vor einigen Jahren kostete ein klassisches Auto mit Verbrennungsmotor in Deutschland durchschnittlich etwa 26.000 €. Wer glaubt, für diesen Preis ein E-Auto von Tesla erwerben zu können, dürfte beim Vergleichen der Preise einzelner Elektroauto-Modelle von Tesla ziemlich rasch auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden. Das Modell S beispielsweise – aktuell das erfolgreichste und beliebteste Elektroauto der Welt – ist momentan ab etwa 69.000 € zu haben. Dabei handelt es sich um die Standardausführung ohne Extras und besondere Annehmlichkeiten. Das Modell 3 soll 2019 hingegen ab zirka 40.000 € auf dem deutschen Markt erhältlich sein, was für die Mehrzahl potenzieller Tesla-Käufer aus finanzieller Sicht weitaus attraktiver erscheint. Doch auch dieser Kaufpreis liegt deutlich über jener Summe, die durchschnittlich für einen Wagen mit Otto- oder Dieselmotor fällig wird. Zur Wahrheit gehört zudem, dass andere E-Autos wie der Citroën C-Zero oder der Renault Zoe mit knapp über 20.000 € weitaus erschwinglicher sind – überschaubare Reichweiten jedoch inklusive.

Strom tanken in Deutschland: für Tesla-Fahrer kein Vergnügen

Der Kaufpreis stellt für zahlreiche Tesla-Interessenten eine hohe Hürde auf – allerdings nicht die einzige. Neben den meist niedrigeren Anschaffungskosten punkten Autos mit Verbrennungsmotor nämlich mit einem weiteren Vorzug: Sie lassen sich nahezu beliebig alle paar Kilometer auftanken. 2018 gibt es in Deutschland an die 14.500 Tankstellen, wenngleich die über 15.100 Tankstellen von 2006 als Vergleichswert einen leichten Rückgang bescheinigen. Dennoch: Benzin, Diesel und Co. können bundesweit mühelos getankt werden. Wer mit einem E-Auto auf deutschen Straßen unterwegs ist, muss sich angesichts des insbesondere im internationalen Vergleich unbefriedigenden Netzes an E-Ladestationen Sorgen machen. Elektroautos von Tesla sind hinsichtlich der Reichweite zwar im oberen Bereich anzusiedeln. Mit Blick auf die Tesla Supercharger Stromtankstellen in Deutschland wird allerdings deutlich, dass aktuell 61 Lade-Möglichkeiten im Bundesgebiet einfach zu wenige sind. So gibt es in Städten wie München, Hannover oder Rostock keine Schnellladestationen, was Fahrten ins Umland und damit eine gute Planung nötig macht.

Familien fahren mit klassischen Autos besser, oder?

Tesla stellt sehr wohl E-Autos her, die für Familien geeignet sind. So bietet sich zum Beispiel das Model S als Limousine an, in der sowohl Eltern und ihre Kinder als auch reichlich Gepäck ihren Platz finden. Möglich wird dies durch die Konzeption als 5 + 2-Sitzer sowie die zwei Gepäckräume. Damit können die größeren Elektroautos aus dem Hause Tesla durchaus mit den Familienautos von Volkswagen und anderen alteingesessenen Herstellern mithalten. Auch andere Produzenten von Wagen mit Elektromotor haben die Nachfrage für sich entdeckt. Doch wie so oft fällt die Reichweite hinter jener von Tesla zurück. Der Nissan E-NV200 Evalia beispielsweise schafft um die 275 km und damit etwa 200 km weniger als das Modell S. Wer längere Trips mit der Familie plant und in Sachen Strom tanken zumindest etwas ruhiger unterwegs sein möchte, der kommt an Tesla eigentlich kaum vorbei.

Förderungen clever nutzen

Wie bereits erwähnt, stellt der vergleichsweise hohe Kaufpreis eines E-Autos von Tesla eines der größten Kaufhindernisse dar. Die Finanzierung sollte daher auf jeden Fall gut durchdacht sein, um nicht in einer existenzbedrohenden Schuldenfalle zu landen. Der Großteil potenzieller Tesla-Käufer ist kaum in der Lage, ein Elektroauto der US-Amerikaner aus Eigenmitteln zu kaufen. Die meisten müssen einen mit Elektromotor ausgestatteten Neuwagen mit einem Autokredit finanzieren – alternativlos. Das Kreditvolumen ist vergleichsweise groß, die Anfangsinvestition durchaus teuer. Der Kaufpreis lässt sich allerdings durch die Inanspruchnahme zum Abruf bereitstehender Förderungsmöglichkeiten senken. Allein der Umweltbonus in Höhe von 4000 € lohnt sich, auch bei Leasing oder Finanzierung. Jeweils 2000 € kommen dabei von Tesla (beziehungsweise dem entsprechenden Hersteller) und dem Bund. Interessant ist außerdem die Befreiung von der Kfz-Steuer für satte 10 Jahre. Vorteile bringt auch das E-Kennzeichen mit sich, das vielerorts das Nutzen der Busspur und kostenloses Parken ermöglicht. Zudem können regionale Förderprogramme den Kaufpreis zusätzlich senken. Interessenten sollten hier vor dem Kauf eines E-Autos von Tesla beziehungsweise eines anderen Herstellers unbedingt vergleichen.

Fazit: Ein Tesla kann sich durchaus lohnen

Ein E-Auto von Tesla ist hinsichtlich Elektroautos anderer Hersteller beziehungsweise Neuwagen mit Verbrennungsmotor normalerweise teurer, aufgrund mehrerer Fördermöglichkeiten, einer vergleichsweise großen Reichweite und der Familientauglichkeit insbesondere der Modelle S und 3 aber für Normalverbraucher durchaus lohnenswert. Aktuell bereitet – neben der Finanzierung – lediglich das nur mäßig ausgebaute Netz an Ladestationen Sorgen. Ist eine Tesla-Stromtankstelle mal defekt, kann die Fahrt zur nächsten Zapfsäule mit etwas Pech auf dem Standstreifen enden. Hier herrscht Nachholbedarf, um die Alltagstauglichkeit zu verbessern.

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