Ferdinand Dudenhöffer und der ADAC: Details einer seltsamen Beziehung

27.01.2014 12:26 Uhr | geronimo

Seit knapp zwei Wochen steht der Automobilclub ADAC massiv in der Kritik, nachdem Manipulationen am Autopreis „Gelber Engel“ bekannt geworden sind. In der Folge kamen immer mehr Details über das teilweise fragwürdige Gebaren des ADAC ans Licht, was deutliche Auswirkungen auf das Image des Clubs hat. Als einer der schärfsten Kritiker zeigte sich dabei Professor Dr. Ferdinand Dudenhöffer, der das Center Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg-Essen leitet. Dabei ist der von den Medien gerne als „Autopapst“ bezeichnete Dudenhöffer keinesfalls als neutraler Kritiker anzusehen

In der Affäre um den ADAC kam in nahezu allen Medien als Kritiker oftmals nur ein Mann zu Wort, nämlich Ferdinand Dudenhöffer. Der „Autoexperte“ wurde vielfach zitiert und verbreitete dabei Thesen zu dem Club „arroganter, alter Herren“ wie die folgende: „Wenn sie beim Gelben Engel lügen, kann man das auch für die anderen Bereiche nicht ausschließen“ oder „Offensichtlich ist das System ein Nährboden dafür, dass sich Dinge entwickeln, die sich in Unternehmen nicht entwickeln dürfen“. Dabei wird aber vielfach übersehen, dass Dudenhöffer den ADAC erst seit dem Zeitpunkt kritisiert, als die einstmals durchaus innige Beziehung zwischen ihm und dem dem Automobilclub in die Brüche gegangen ist. Bis dahin hat der „Autopapst“ jedoch durchaus vom ADAC profitiert – und das wohl nicht zu knapp.

Die starke Verflechtung beider Parteien lässt sich unter anderem an einer Aussage von ADAC-Präsident Peter Meyer gegenüber der WAZ festmachen. In Bezug auf eine heftig kritisierte Dienstreise in einem Rettungshubschrauber des Automobilclubs im Jahr 2003 sagte Meyer über Dudenhöffer: „Nur wegen ihm sind wir zwischen zwei Standorten per Helikopter gependelt“. Dazu muss man wissen, dass Dudenhöffer über mehrere Jahre hinweg ein Geschäftspartner des ADAC gewesen ist. In den Jahren von 2001 bis 2008 baute Dudenhöffer den Markenindex AutomarxX, mit dem ADAC „Ansehen und Marktstärke der für Deutschland relevanten Fahrzeughersteller“ bewertet, mit auf und leitete diesen auch. Die Bewertung in diesem Autoindex ist auch Grundlage für die Preisverleihung in der Kategorie „Marke“ beim Preis „Gelber Engel“, den Dudenhöffer jetzt so scharf kritisiert. Nach 2008 haben sich der ADAC und Dudenhöffer im tiefen Unfrieden getrennt, nachdem von Seiten der Autohersteller und anderer „Experten“ Kritik an der vermeintlichen Seriosität des AutomarxX aufkam. Der ADAC selber warf Dudenhöffer zudem vor, seine auch durch den Markenindex gewonnene Popularität für eigene Belange zu nutzen.

Dudenhöffer hat mittlerweile zu den Vorwürfen gegen ihn Stellung bezogen, gerade auch in Hinblick auf den Mitflug im ADAC-Hubschrauber. Laut seinen Worten habe man ihn eingeladen, den ADAC-Präsidenten zu begleiten, da dieser „ohnehin den Hubschrauber nimmt“. Auch zur Entlohnung für seinen Aufbau des AutomarxX nahm Dudenhöffer Stellung. Die gezahlten Honorare seien dafür aufgewendet worden, „wissenschaftliche und studentische Mitarbeiter für die Arbeiten an der Studie zu bezahlen sowie Reisekosten zu entsprechenden Sitzungen des ADAC zu begleichen“. Mit anderen Worten: Dudenhöffer selber hat quasi ehrenamtlich gearbeitet – was nur schwer zu glauben ist.

Die Beziehung zwischen beiden Parteien wird sich wohl kaum noch kitten lassen und wer bei einzelnen Aussagen letztlich recht hat, dürfte sich nur schwer bis gar nicht feststellen lassen. Dennoch würden die Medien und deren Leser sicherlich gut daran tun, die Aussagen und auch die Motivation des viel zitierten Experten Dudenhöffer deutlich kritischer zu hinterfragen, als dies aktuell der Fall ist. Und anschließend vielleicht auch andere Stimmen zu Wort kommen zu lassen, denn aktuell kann man fast den Eindruck gewinnen, dass der Professor aus dem Ruhrgebiet der einzige Experte in Deutschland ist, der sich kritisch zum ADAC äußern darf und dies auch vor nahezu jedem hingehaltenen Mikrofon tut.

Mit Material von: Automobilwoche, kfz-online und anderen
Bildquelle: Universität Duisburg-Essen
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