Elektroautos: Telekom plant eigene Ladesäulen für Elektrofahrzeuge

09.11.2017 13:02 Uhr | geronimo

Beim Thema Elektromobilität gilt in Deutschland noch das Henne-Ei-Problem: ohne genügend verkaufte Autos lohnt sich der Bau von Ladestationen nicht, doch ohne öffentliche Lademöglichkeiten lassen sich die Fahrzeuge nicht verkaufen. Die Deutsche Telekom will helfen, diesen Teufelskreis zu durchbrechen – hält dabei aber auch die Hand auf

Neben der Bahn gehört die Telekom zu den größten Infrastruktur-Betreibern in Deutschland. Das will der Konzern jetzt nutzen, um ein komplett neues Geschäftsfeld zu erschließen. Und zwar, in dem die eigenen Verteilerkästen für DSL um Ladestationen ergänzt werden. Wie das gehen soll, legte Vorstandschef Timotheus Höttges auf einem Kongress der Fachzeitschrift Automobilwoche in Berlin mit etwas flapsigen Worten klar: „Wir haben in Deutschland 380.000 Kabelverzweiger. Jeder dieser grauen Kästen hat eine Stromversorgung, eine Batteriepufferung, eine digitale Messstelle. Da müssen wir vorne nur einen Stöpsel dranmachen, dann können alle Elektroautos daran tanken“.

Natürlich werden längst nicht alle der klobigen grauen Kästen umgerüstet werden, sondern lediglich ein Bruchteil. Mitarbeiter des Unternehmens hätten bereits 12.000 Standorte ausgemacht, an denen neben der vorhandenen Technik auch geeignete Parkmöglichkeiten für Elektrofahrzeuge zur Verfügung stehen. Zudem könnten an rund 8.000 Betriebshöfen des Konzerns Schnellladestationen mit bis zu 150 kW Leistung installiert werden, weil dort die entsprechende Technik bereits vorhanden sei. Dafür sollen allerdings auch gewisse Bedingungen erfüllt werden. Das kleinere Problem dürfte sein, dass die Kommunen Parkraum um die Ladeplätze ausweisen. Die zweite Bedingung wird schwerer zu erfüllen sein, denn man erhofft sich Fördergelder der Bundesregierung. Die Telekom selber will laut Höttges einen „signifikanten Millionenbetrag“ investieren.

Ganz uneigennützig dürfte das Projekt ganz sicher nicht sein. Zwar betont der Telekom-Chef: „Wir haben die Chance und die Technologie, beim Ladenetz für Deutschland ein großes Stück voranzukommen.“. Doch sicherlich wird die Telekom an den Ladesäulen auch verdienen wollen. Zum einen indem durch den Service Kunden gebunden oder gewonnen werden, und zum anderen indem der Strom mit einem Aufschlag verkauft wird. Zudem dürfte es für die Telekom auch interessant sein, Daten der Kundschaft abzugreifen, denn das ist schließlich die neue Währung unserer IT-Gesellschaft.

Meinung des Autors

Die Idee ist so einfach, wie brillant: man nehme vorhandene Infrastruktur und baue diese ein wenig um - und fertig ist ein flächendeckendes Netz an Ladestationen für Elektroautos. Das ist in groben Zügen das, was die Telekom gerade plant. Allerdings darf nicht vergessen werden: wir leben in Deutschland, und ist vieles in der Praxis nicht so einfach, wie es in der Theorie aussieht. Irgendwer wird schon Steine finden, die man in den Weg legen kann.

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