Breite Niederquerschnittsreifen: Vorteile und Nachteile im Überblick

19.04.2018 12:48 Uhr | geronimo

Ab Werk oder nachgerüstet sind viele Autos mit relativ breiten Reifen mit geringer Reifenhöhe ausgestattet. Diese sogenannten Niederquerschnittsreifen sollen sowohl die Optik, als auch die Fahreigenschaften verbessern. Das wird jedoch mit einigen negativen Auswirkungen bezahlt

Die erwähnten Reifen zeichnen sich durch eine niedrige Flankenhöhe aus. In früheren Zeiten war dabei eine Seitenwand mit dem Wert 75 bereits als niedrig angesetzt, inzwischen ist der (nicht genau definierte) Wert bei 50 angelangt. Bei manch extremen Reifen wie dem Nexen N3000 ist sogar ein Format von 365/15 R24 möglich, was vom Vollgummireifen nicht weit entfernt ist. Doch die Reifenwand ist oftmals nicht nur flacher, sondern auch steifer als bei herkömmlichen Sommer- oder Winterreifen, während gleichzeitig eine weichere Gummimischung verwendet wird.

  • Vorteile:

Durch die letztgenannten Punkte soll sich das Kurvenverhalten deutlich verbessern, was in der Praxis auch gut funktioniert. Ein direkteres Lenkgefühl und höhere Kurvengeschwindigkeiten sind die Folge. Durch die breitere Auflagefläche wird zudem auf trockener oder nur leicht feuchter Straße der Bremsweg verkürzt, was ein Sicherheitsaspekt ist. Zudem kann mit flacheren Reifen eine größere Felge verwendet werden, ohne dass sich der Gesamtdurchmesser des Reifens verändert. Das schafft im Inneren der Felgen Platz, um größere Bremsscheiben mit besserer Verzögerung zu montieren. Zu guter Letzt verändern die zumeist auf mehr oder weniger schönen Leichtmetallfelgen aufgezogenen Niederquerschnittsreifen die Optik des Fahrzeugs, was viele Autobesitzer als weiteren Vorteil betrachten.

  • Nachteile:

Die größere Reifenbreite führt aber auch dazu, dass die Lenkkräfte ansteigen, was auch durch eine Servolenkung nicht kompensiert wird. Und die geringere Flankenhöhe sorgt dafür, dass sich die Federungseigenschaften des Reifens (deutlich) verschlechtern. Das wirkt sich unmittelbar auf den Fahrkomfort aus, denn für die Dämpfung sind neben Federn und Stoßdämpfern auch die Reifen zuständig. Gleichzeitig belasten die härteren Schläge bei Unebenheiten und Schlaglöchern auch das Fahrwerk stärker, weshalb vorzeitiger Verschleiß in Kauf genommen werden muss, sofern das Fahrwerk nicht entsprechend ausgelegt ist.

Verschleiß ist auch bei der Haltbarkeit ein gutes Stichwort, denn die weichere Mischung bedeutet auch mehr Abrieb, wodurch die Profiltiefe schneller sinkt. Zudem bieten die flachen Reifen weniger Schutz der Felgen an Bordsteinen, was aber durch einen Flankenschutz kompensiert werden soll, sowie bei Schlaglöchern. Die zusätzliche Breite sorgt außerdem für einen erhöhten Kraftstoffverbrauch und auch die Abrollgeräusche können zunehmen. Und am Ende erfordert der breitere Reifen bei stärkerem Regen oder gar Schneematsch einen längeren Bremsweg, und die Gefahr von Aquaplaning steigt.

  • Fazit:

Sportlich orientierte Fahrer haben eigentlich gar keine andere Wahl, als sogenannte Niederquerschnittsreifen zu montieren. Belohnt werden sie durch ein oftmals schöneres Fahrzeug und teilweise eklatant bessere Fahreigenschaften. Für den Großteil der Autobesitzer dürften die Nachteile aber überwiegen, denn Dinge wie ein schlechterer Federungskomfort und höherer Verschleiß lassen sich schlecht wegdiskutieren. Hier kann die Empfehlung eigentlich nur lauten, lieber einen herkömmlichen Breitreifen zu wählen, mit dem ein guter Kompromiss zwischen zügig vorankommen und bequem fahren erreicht werden kann. Und am Ende sind diese oftmals auch noch die preiswertere Wahl, wenn ein Reifenwechsel ansteht.

(Bildquelle: Goodyear)

Meinung des Autors

Breit sein ist alles. Dabei ist der zu Werbezwecken missbrauchte Sponti-Spruch nur die halbe Wahrheit, denn für viele Autofahrer muss ein "schöner" Reifen auch möglichst flach sein. Das sorgt für besseres Kurvenverhalten, doch unsere Übersicht zeigt, dass die Liste der Vorteile kürzer als die der Nachteile ist. Von daher sollte die Anschaffung gut überlegt werden.

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