BMW 'The Hire': Rückblick auf eine legendäre Werbekampagne im Internet

12.12.2017 14:30 Uhr | geronimo

Zu den ersten richtigen Boom-Zeiten des damals noch recht jungen Mediums Internet Anfang der 2000er-Jahre hat man bei BMW in den USA einen durchaus gewagten Schritt gewagt. Mit einem Budget von mehreren Millionen Dollar wurden diverse Kurzfilme produziert, für die teilweise überaus namhafte Darsteller und Regisseure gewonnen werden konnten. Das Ergebnis genießt heute Kult-Status

In den Jahren 2001 und 2002 wurden insgesamt acht Filme produziert. Diese hatten inhaltlich eines gemeinsam. Clive Owen spielte den namenlosen Fahrer „The Driver“, der mit einem BMW gegen Bezahlung seine jeweils sehr speziellen Fahrgäste chauffiert und aus der einen oder anderen brenzligen Situation rettet – oder sie in eine solche bringt, wie die Episode „Star“ mit Madonna zeigt. Diese wurde von Madonnas damaligen Ehemann Guy Richie gedreht, was der kurzen, aber ziemlich lustigen Geschichte besondere Ironie verleiht. In den weiteren vier Filmen der ersten Staffel führten unter anderem John Frankenheimer und Ang Lee Regie, zu den weiteren Gaststars zählten Mickey Rourke, Stellan Skarsgård und Forest Whitaker.

Die Filme waren ursprünglich ausschließlich für eine Ausstrahlung im Internet hergestellt worden und fallen teilweise auch erstaunlich heftig aus. Was Anfangs belächelt wurde, führte jedoch zu einem großen Erfolg: innerhalb von vier Monaten wurden die Videos über 11 Millionen Mal angesehen und BMW konnte seine Verkaufszahlen im folgenden Jahr merklich steigern. Aufgrund der Beliebtheit entschloss sich BMW zu zwei Dingen: zum einen konnte kostenlos eine DVD mit den fünf Filmen bestellt werden. Diese wird heute teilweise zu Liebhaberpreisen gehandelt, weil es nur eine sehr begrenzte Stückzahl gegeben hat. Zum anderen wurde eine zweite Staffel mit drei neuen Filmen in Auftrag gegeben.

In diesen zählen John Woo und Tony Scott zu den bekannten Regisseuren. Dabei ist das Ergebnis von letzgenanntem ein weiteres Highlight, denn in „Beat The Devil“ hat die Musiklegende James Brown einen überaus selbstironischen Auftritt, der von Gary Oldman, Danny Trejo und Marilyn Manson unterstützt wird. Auch diese Filme waren überaus erfolgreich und beliebt. Dennoch wurde die Produktion im Anschluss eingestellt, unter anderem auch deshalb, weil die Amerikaner von den Controllern in München zurückgepfiffen wurden. Man hat es sich aber dennoch nicht nehmen lassen, noch einmal eine DVD mit allen acht Filmen zu veröffentlichen, die gegen eine Versandkostenpauschale bis ins Jahr 2005 bestellt werden konnte.

Die Kurzfilme haben nachhaltigen Endruck hinterlassen und sogar als Vorbild und Inspiration für eine ganze Filmreihe gedient: „The Transporter“ von Luc Besson mit Jason Statham, in der ein namenloser Fahrer (nennen wir ihn „The Driver“) gegen Bezahlung seine jeweils sehr speziellen Fahrgäste chauffiert. Doch auch einige Mitbewerber haben das Potenzial solcher hochwertigen Produktionen als Imageträger erkannt und ebenfalls aufwendige Produktionen in Auftrag gegeben.

Von der seinerzeit eingerichteten Homepage von BMW sind die Filme bereits vor einiger Zeit entfernt worden. Bis dahin wurden sie alleine dort weit über 100 Millionen Mal angesehen. Und da das Internet bekanntlich (fast) nichts vergisst, sind alle Videos auch heute noch auffindbar. Nachfolgend finden sie sich in der Reihenfolge, in der sie seinerzeit veröffentlicht wurden. Zudem findet sich auch ein neuer Film aus dem Jahr 2016, mit dem BMW die Reihe zum 15-jährigen Geburtstag noch einmal hat aufleben lassen und der bislang über 6,5 Millionen Mal angesehen wurde.

  • Staffel 1:

Ambush

Chosen

The Follow

Star

Powder Keg

  • Staffel 2:

Hostage

Ticker

Beat The Devil

  • Staffel 3:

The Escape

https://www.youtube.com/watch?v=jzUFCQ-P1Zg

Meinung des Autors

Anfang der 2000er hat BMW eine erstaunliche Werbekampagne durchgeführt. Dabei waren nicht nur die eigens produzierten Filme eine kleine Sensation, sondern auch die Ausstrahlung im Internet. Hierzulande blieb das weitgehend unbeachtet, weil es einerseits eine amerikanische Kampagne war, und man andererseits damals von einem ausreichend schnellen Internet für Videos oft nur feucht träumen konnte.

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