Atudo: Blitzer-Warner und Navigations-App im Test

29.01.2016 11:22 Uhr | geronimo

Die App von Blitzer.de ist ein reiner Radarwarner. Vom gleichen Anbieter gibt aber seit rund einem Jahr ein weiteres Programm, das so etwas wie die eierlegende Wollmilchsau unter den Verkehrs-Apps ein möchte. Wir haben und die Software „atudo“, die navigieren kann, vor Gefahrenstellen warnt und Tankstellenpreise anzeigt, einem Test unterzogen. Dabei zeigte sich, dass es noch viel Luft nach oben gibt

Vorab: die Verwendung einer Blitzer-App ist rechtlich gesehen eine ziemliche Grauzone, wobei die Tendenz eher dahin geht, dass die Nutzung durch den Fahrer eines Fahrzeugs illegal ist. Über den Einsatz muss daher jeder Verkehrsteilnehmer selbst entscheiden.

Funktionsumfang:

Vor etwas mehr als einem Jahr brachte der Entwickler von Blitzer.de die neue und deutlich erweiterte App atudo auf den Markt, die bislang auf Smartphones mit Android sowie iOS von Apple installiert werden kann. Kritiker vermuten dahinter eine etwas perfide Taktik, denn die App von Blitzer.de ist zumindest auf manchen Plattformen nicht auf dem technisch aktuellsten Stand, während gleichzeitig die dortigen lebenslangen Premium-Mitglieder mit Angeboten zu einer neuen Mitgliedschaft bei atudo gelockt werden. Dabei kann der Wechsel durchaus lohnend sein, denn atudo bietet einen deutlich größeren Funktionsumfang als die Blitzer.de-App. So ist beispielsweise eine vollwertige Navigationssoftware an Bord, die mit Karten von OpenStreetMap (OSM) arbeitet. Zudem gibt es den sogenannten Tank-Scout, der Tankstellen in der Umgebung und entlang der gefahrenen Route findet und die jeweiligen Preise nahezu in Echtzeit anzeigt. Für die meisten Nutzer dürfte aber die Warnung vor Gefahrenstellen am interessantesten sein, denn neben festen und mobilen Geschwindigkeitskontrollen werden auch neuralgische Punkte wie Baustellen, Unfälle, Stauenden, Tunnel und mehr angezeigt. Dabei können die Nutzer zwischen einer Kartendarstellung sowie der rein grafischen Anzeige wählen. Hier geht es zu einer Übersicht der unterschiedlichen Möglichkeiten von Blitzer.de, Bltzer.de Pro und atudo.

Bedienung und Einstellungen:

Nach dem Start der App präsentiert sich atudo sehr aufgeräumt und übersichtlich (Bild oben). Als erstes sollte man sich natürlich mit den Einstellungen beschäftigen. Hier lassen sich verschiedene Funktionen, darunter die Anzeige temporärer Gefahrenstellen, die Audioausgabe sowie das Verhalten bei bestimmten Aktionen, festlegen. Im Prinzip sind alle Auswahlmöglichkeiten, bis auf die kryptische Abkürzung „FCD“: Was es damit auf sich hat, wird hier ausführlich erläutert. Wer also lieber keine Spuren während der Fahrt hinterlassen möchte, sollte die Funktion deaktivieren.

Das hangeln durch die einzelnen Einstellungen funktioniert im großen und ganzen einwandfrei. Einziger wirklicher Kritikpunkt ist, dass die Entwickler offenbar Probleme mit den grundlegenden Möglichkeiten eines Smartphones haben. Aus den Untermenüs heraus kommt man nicht durch wischen wieder auf die vorherige Seite. Vielmehr muss dafür der Zurück-Pfeil oben links genutzt werden, der bei größeren iPhone nur schwer oder mittels der „Einhandbedienung“ erreichbar ist. Ein weiteres Manko dürfte für viele die wählbare Distanz zur Vorwarnung sein, denn diese ist mit Schritten von 1,5 km bis 5 km einfach zu weit von den jeweiligen Gefahrenstellen entfernt.

Nutzung:

Die App kann so eingerichtet werden, dass sie im Vordergrund läuft, also die Informationen auf dem Bildschirm sichtbar sind. Aber auch eine Hintergrundnutzung ist möglich. Somit kann das Smartphone wie gewohnt zum Surfen oder Musik hören genutzt werden, während die Warnungen vor Gefahrenstellen per akustischem Signal oder Sprachansage ausgegeben werden. Sogar eine andere Navigations-App kann im Vordergrund laufen, während atudo im Hintergrund nach Gefahrenstellen sucht. Das klappt auch ganz gut, wobei es bei der Ansage aber leider gravierende Einschränkungen gibt (dazu später mehr). Je nach Fahrzeug kann die App sogar in Verbindung mit der Freisprechanlage genutzt werden, allerdings muss dafür in Einstellungen eventuell manuell beim Audioausgang auf die Ausgabe per Bluetooth und zudem auf eine verzögerte Sprachausgabe umgeschaltet werden. Alternativ kann auch der (zumeist zu leise) Lautsprecher des Smartphones genutzt werden.

Navigation:

Es gibt viele spezialisierte und oftmals kostenlose Apps für die Navigation, darunter Here sowie Apple und Google Maps. Mit diesen mitzuhalten, fällt atudo gar nicht so leicht. Größtes Problem, dass sich die Software zumindest teilweise mit anderen Programmen teilt, ist dass Karten nicht vorab zur Offline-Nutzung innerhalb des Smartphones gespeichert werden können. Somit ist man während der Fahrt, auch im Ausland, auf eine Netzverbindung angewiesen, wobei eine Flatrate mit entsprechend hohem Datenvolumen durchaus empfehlenswert ist. Bei atudo will man aber das speichern mit einem künftigen Update ermöglichen, doch wann das der Fall sein wird, ist aktuell völlig offen.

Bei der Navigation stellt sich noch ein weiterer Nachteil heraus, denn die Kartenansicht ist fix an den Standort des Smartphones gekoppelt. Somit ist es lediglich möglich, in den jeweiligen Ausschnitt hinein und heraus zu zoomen, das generelle Verschieben des Bildes zur Ansicht der zu fahrenden Strecke ist nicht möglich. Quasi zum Ausgleich arbeitet die Warnung vor Gefahrenstellen während der Navigation deutlich zielgerichteter, denn dann werden nur Punkte berücksichtigt, die auch wirklich auf der Strecke liegen. Doch dabei ist längst nicht alles Gold was glänzt.

Warnung vor Blitzern und sonstigen Gefahren:

Machen wir uns nichts vor: die Warnung vor Blitzern und sonstigen Gefahrenstellen dürfte die Hauptaufgabe von atudo sein. Dafür gibt es gleich drei Wege: während der Navigation (siehe oben), im Kartenbetrieb ohne Navigation (mit Online-Karten und entsprechend hohem Datenbedarf) und in der abgespeckten Tachoansicht (bei deutlich reduziertem Datenvolumen). In letzterer wird ein großer digitaler Geschwindigkeitsmesser angezeigt, der bei Bedarf durch die Warnung vor dem nächsten Gefahrenpunkt ersetzt wird. Die Warnung wird jeweils dreimal akustisch ausgegeben, was für viele Nutzer deutlich zu häufig sein dürfte (von den Problemen mit der Distanz wurde ja schon zuvor berichtet).

Das eigentliche Ärgernis ist aber die Sprachansage der Gefahrenstellen, denn diese erfolgt immer nur ganz allgemein. Es wird also lediglich angesagt „feste Gefahrenstelle in xxx Meter“ oder „mobile Gefahrenstelle in xxx Meter“. Um welche Gefahr es sich dabei handelt, wird aber nicht konkret angesagt. Um festzustellen, welche Gefahr dann droht, ist wieder ein Blick aufs Display notwendig – und dafür muss die App im Vordergrund laufen. Hier wären klarere Ansagen deutlich besser, ein Traum wäre natürlich etwas wie „fester Blitzer für xxx km/h in xxx Meter“ – also eine detaillierte Angabe zur Gefahrenart und dem richtigen Verhalten.

Ein weiteres Problem ist die Zuverlässigkeit und Gewichtung bei nahezu ortsgleichen Gefahrenstellen. Bei einer Autobahnfahrt wurde ich vor einer Tunneleinfahrt gewarnt, doch der direkt davor angebrachte Blitzer blieb unerwähnt, obwohl er in der Gefahrenkarte verzeichnet ist. In einem anderen Tunnel, in dem gleich zwei Radarfallen pro Fahrtrichtung angebracht sind, erfolgte ebenfalls keine Warnung, während sinngemäß die Ansage „GPS-Positon verloren, Standortangabe ungenau“ ausgegeben wurde. Dabei hätte die App durchaus erkennen können, dass ich auf der Autobahn unterwegs bin und demnächst auf diese Blitzer treffen werde – und mich zumindest frühzeitig warnen können. Wäre ich generell schneller als erlaubt unterwegs, hätte mich dieses geballte Verhalten auf wenigen km gleich dreimal in eine Falle tappen lassen. Dies zeigt eindrucksvoll, dass man sich auf die Ansagen keinesfalls verlassen sollte, und dass der beste Schutz immer noch die Einhaltung der Tempolimits ist.

Kosten:

Das ganze Vergnügen ist nicht wirklich preiswert, denn atudo verlangt eine jährliche Gebühr von 29,99 Euro pro Jahr. Bis zum 31.03.2016 gibt bes allerdings eine Aktion, bei dem der Jahresbetrag „einen lebenslangen Zugang zum atudo Club“ bietet. Zudem gibt es auf der Homepage noch ein Wechselangebot für die bisherigen Nutzer der Blitzer.de-App, die atudo bis zu 3 Jahre lang kostenlos nutzen können. In der Testphase von 14 Tagen ist dies für alle atudo-Nutzer möglich.

Fazit:

Die App atudo will rund um das Thema alles können. Doch irgendwie drängt sich der Eindruck auf, dass es am Ende so ist, dass sie zwar auf vielen Hochzeiten mittanzt, aber nirgendwo richtig bei der Sache ist. Bei der Navigation beispielsweise trüben kleinere Mängel bei der Bedienung und vor allem die fehlenden Offline-Karten das Vergnügen. Gravierender sind aber die Mängel bei der Ansage von Gefahrenpunkten, wobei vor allem die zu häufigen und gleichzeitig viel zu ungenauen Angaben der Sprachausgabe für Probleme sorgen. Somit bleibt es nicht aus, dass man während der Fahrt immer wieder auf das Smartphone schauen muss, was sich durch klarere Ansagen definitiv vermeiden ließe. Hier sollte atudo noch deutlich nachbessern, damit die App ein zuverlässigerer Begleiter wird.

Meinung des Autors

Viele Autofahrer vertrauen auf eine App, die vor Blitzern warnt. Vom aktuellen Marktführer gibt es mittlerweile ein weiteres Programm, das deutlich mehr als nur ein Radarwarner sein will. Ein Test zeigt aber, dass es bei der Umsetzung an vielen Stellen noch hapert, während die Kosten bereits auf Premium-Niveau angekommen sind.
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