Abgas-Skandal: Import-Diesel mit extrem viel Stickoxid - deutsche Hersteller deutlich sauberer

22.08.2017 12:21 Uhr | geronimo

Die deutschen Autohersteller wie Mercedes oder Volkswagen müssen sich aktuell viel Kritik wegen der Abgasreinigung ihrer Dieselfahrzeuge gefallen lassen. Doch erneut zeigt sich, dass sie im Prinzip eine eher weiße Weste haben. Zumindest dann, wenn man sie mit Fahrzeugen aus dem Ausland vergleicht. Die größten Umweltsünder kommen von Renault, Fiat und Ford

Ein geflügeltes Wort unter Autofans lautet: kaufe nie ein Auto, das mit „F“ anfängt – Fiat, Ford, Franzosen. In Bezug auf den Ausstoß von Stickoxiden bei Euro 6 Fahrzeugen ist diese eher lustige These leider bitterer Ernst. Das hat sich bereits im vergangenen Jahr gezeigt, als gleich zwei voneinander unabhängige Untersuchungen zu ähnlichen Ergebnissen gekommen sind. Bei Messungen in realen Straßenbetrieb entlarvte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) Fahrzeuge von Ford, Nissan Renault und Fiat als einige der größten Umweltverschmutzer in Bezug auf den NOx-Ausstoß. Bei ähnlich gelagerten Versuchen von Transport & Environment (T&E) aus Brüssel wurden ebenfalls Fiat und Nissan Renault auf die vorderen – oder vielmehr hinteren – Plätze gesetzt. Platz 3 ging in dieser Studie an Opel beziehungsweise die Schwestermarke Vauxhall. Am anderen Ende der Rangliste konnten sich BMW und Volkswagen

Jetzt hat der ADAC Ergebnisse seines sogenannten Eco-Test veröffentlicht. Und auch dort zeichnet sich ein vergleichbares Bild ab. Insgesamt 14 Modelle von Renault und der „Billig-Tochter“ Dacia wurden getestet, die im Schnitt 684 mg/km Stickoxide ausstoßen. Das ist fast fünfmal soviel wie bei BMW / Mini (36 Testfahrzeuge), Volkswagen (44) und Mercedes (21). Hinter dem französischen Konzern sortiert sich Fiat mitsamt Alfa Romeo und Jeep ein, wobei hier jedoch nur vier Fahrzeuge untersucht wurden. Auch Ford (10 Autos) ist in dieser Rangliste prominent vertreten und kommt hinter den Italienern in Ziel. Doch auch Hyundai / Kia, Volvo, sowie die neuen Opel-Besitzer Peugeot und Citroen (PSA), Jaguar / Land Rover, Mazda und Opel selber fallen durch erhöhten Stickoxid-Ausstoß auf.

Diese Ergebnisse sind auch deshalb sehr ernüchternd, weil die genannten Importeure sich bislang weigern, über irgendeine Form der Nachbesserung zu verhandeln. Natürlich kann man das, was auf dem Dieselgipfel vor wenigen Wochen beschlossen wurde, durchaus als blinden Aktionismus bezeichnen – doch immerhin sind BMW, Mercedes, Opel und der Volkswagen-Konzern überhaupt zu Gesprächen bereit. Dem Automobilclub gehen die Lösungsvorschläge in Form von Software-Updates allerdings nicht weit genug, wie Thomas Burkhardt als ADAC Vizepräsident für Technik betont: „Der ADAC EcoTest zeigt, dass so gut wie alle Hersteller ein massives Emissions-Problem bei ihren Dieselfahrzeugen haben. Wir sehen aber auch: Für die vornehme Zurückhaltung der Importeure nach dem ersten Dieselgipfel gibt es keinen Grund. Im Gegenteil: Wenn Politik und Industrie Fahrverbote für Dieselfahrer tatsächlich verhindern möchten, muss die Politik jetzt alle Hersteller auf verbindliche Hardware-Nachrüstungen ihrer Autos verpflichten. Die angekündigten Software-Updates bringen mit Blick auf die Umweltbelastung zu wenig Wirkung.“.

Der ADAC schließt sich daher der Forderung diverser Umweltverbände an (was als eine durchaus merkwürdige Konstellation betrachtet werden darf), die deutlich tiefgreifendere Maßnahmen verlangen. Gemeint ist die Nachrüstung von wirkungsvollen Abgasreinigungssystemen, wie sie etwa der Zulieferer Twintec Baumot aus Königswinter bei Bonn entwickelt hat. Solche Umrüstungen haben auch AutoBild und einige andere Institutionen bereits gefordert, und das natürlich auf Kosten der Autohersteller. Um es auf den Punkt zu bringen: das Geld dafür wäre deutlich besser angelegt, als die zahlreichen Diesel-Prämien, die die Hersteller jetzt beim Kauf eines Neuwagens anbieten. Wie hieß es einmal so schön in der Werbung eines Mineralölkonzerns: „es gibt viel zu tun – packen wir’s an“.

(Bildquelle: DUH)

Meinung des Autors

Es ist schon absurd: da verhandeln ausgerechnet die über Maßnahmen zur Verhinderung von Diesel-Fahrverboten, die es eigentlich am wenigsten nötig hätten. Bei Renault, Fiat, Ford und diversen anderen Herstellern versucht man es hingegen mit der Taktik von Helmut Kohl: aussitzen. Dabei herrscht hier deutlich größerer Handlungsbedarf.

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