Abgas-Affäre bei VW: erhöhter Verschleiß durch Software-Update befürchtet

28.10.2016 14:25 Uhr | geronimo

Im Rahmen des sogenannten Dieselgate, also dem großflächigen Einsatz einer unerlaubten Motorsteuerung, bekommen mehrere Millionen Fahrzeuge eine neue Software des Motorsteuergerätes. Dieses Update für die Einhaltung der Abgaswerte sorgen, und dabei weder die Leistung noch den Verbrauch beeinflussen. Das klingt nach der Quadratur des Kreises und könnte sich aber wohl nachhaltig auf diverse Fahrzeugteile auswirken

Das für die betroffenen Dieselmotoren vom Typ EA 189 entwickelte Software-Update soll so gut sein, dass es sich nicht oder nur in geringem Maß auf die Kerndaten des Fahrzeugs auswirkt – vom Abgasausstoß abgesehen. Erste Messergebnisse an bereits aktualisierten Fahrzeugen haben das zumindest teilweise bestätigt, wobei aber auch durchaus gegenteilige Aussagen zu den Folgen des Updates gibt. Wenn VW es aber tatsächlich geschafft hätte, die Abgaswerte zu senken, ohne Verbrauch zu erhöhen und die Leistung zu senken, dann fragt man sich unweigerlich: wie haben sie das gemacht?

Eine mögliche Antwort liefert jetzt „Vela“-Abgaslabor in Norditalien, das die Auswirkungen der neuen Software auf diverse Bauteile untersucht hat. Laut einem Bericht von Spiegel Online hat ein Mitarbeiter der zuständigen EU-Kommission die bislang vorliegenden Ergebnisse so kommentiert: „“Man kann davon ausgehen, dass durch die neue Steuerungssoftware Komponenten stärker beansprucht werden“. Betroffen sein sollen Bauteile wie Abgasrückführventil, Speicherkatalysator, Harnstoff-Injektionssystem, SCR-Katalysator und auch der Partikelfilter. Durch die höhere Belastung dieser Teile droht natürlich auch ein vorzeitiger Ausfall mit entsprechenden Folgekosten. Davon betroffen wäre natürlich nicht nur die Kernmarke VW, sondern auch die Töchter Audi, Seat, Skoda und VW Nutzfahrzeuge.

Der ADAC schlägt in die gleiche Kerbe. Der Fahrzeugtechniker Martin Ruhdorfer vom Automobilclub sagte dem Nachrichtenmagazin: „Wir müssen davon ausgehen, dass selbst Volkswagen die Langzeitfolgen seiner Umstellungen nicht kennt“. Deswegen will der Club eigene Untersuchungen zu möglichen Motorschäden anstellen. Das würde auch betroffenen Kunden helfen, denn bislang gibt Volkswagen keine Garantie vor Langzeitschäden.Eine solche wird allerdings vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) gefordert, wie die Mitarbeiterin Marion Jungbluth sagt: „Wir verlangen eine schriftliche, allgemein verbindliche und öffentliche Garantieerklärung von VW gegenüber dem vzbv, dass die Nachrüstung der betroffenen Autos keine negativen Auswirkungen auf die Fahrzeuge hat“. Doch Volkswagen dürfte eine solche umfassende Zusage auch weiterhin verweigern, wobei es am Ende aber wohl eher um eine Definitionsfrage geht, wie wir bereits im August berichtet haben.

Meinung des Autors

Der Abgas-Skandal wird Volkswagen noch auf Jahre hinaus beschäftigen. Und zwar selbst dann, wenn alle betroffenen Fahrzeuge erfolgreich umgerüstet worden sind. Der Grund dürften juristische Scharmützel sein, die wegen echter und auch angeblicher Folgeschäden ausgetragen werden.

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